Woche 33 / 2020

Die Woche beginnt an einem Dienstag. Also bei mir anders als beim Rest der Erdlinge. Allerdings nur wenn ich es rein aus spielerischer Sicht betrachte, denn am Dienstag ist meine fixe Spielgruppe bei mir zuhause und dann wird gespielt.

Gleisbauer – Beruf der Zukunft?

In dieser Woche kam ein Neuzuzügler auf den Tisch. Und dabei meine ich keine Person, sondern das Spiel On the Underground London / Berlin, ein Kickstarter-Remake des gleichnamigen Spiels aus dem Jahre 2006. Hier versucht jeder Spieler mit Gleismarkern seine U-Bahn-Linien soweit geschickt auszubauen, so dass diese vom einzigen Passagier, der auf dem grossen Spielbrett rumfährt (der muss sich ziemlich einsam vorkommen), genutzt werden. Denn so gibt es Punkte und zwar sowohl in deinem eigenen Zug als auch dem deiner Mitspieler.

Das ganze fühlt sich also thematisch wie spielerisch etwas wie der grosse Klassiker Zug um Zug an – nur dass man hier weder persönliche Zielkarten erfüllen und auch kein Set Collection betreiben muss. Gute Planung und drei mal um die Ecke denken ist allerdings auch hier empfohlen. Nach einer ersten Partie auf dem klassischen London-Spielbrett und einem ersten Sieg für mich hatten wir gleich Lust, eine weitere Partie auf der Rückseite des Spielbrettes zu absolvieren – etwas, was bei uns eher selten vorkommt (bin auch nicht bekannt dafür, das selbe Spiel mehrmals hintereinander zu spielen…). Die Berlin-Seite fügt dem ganzen 2, 3 neue Twists hinzu, was dem ganzen Spiel tatsächlich einen etwas anderen Charakter verleiht.

Alles in allem ein toller Debüt eines Spiels, das sich so anfühlt, als ob es länger in meiner Collection bleiben könnte. Denn es hat dieses Zeitlos-Gen, was so manch anderen Mechanismen und Spielen fehlt. Nur der Verwaltungsaufwand mit der Passagierbewegung und der Markierung der neuen Zielorte zwischen den Zügen gestaltet sich etwas zeitaufwendig, aber dies ist im Vergleich zum Spielspass ein kleines Laster.

Mehr zum Spiel hört ihr dann im Monatsrückblick August der Spiuchuchi

Orange is the new Black

Quizspiele sind ja bei uns Brettspieler leider etwas aus der Mode geraten und es fehlt dem Genre auch etwas an Innovation. Ich wiederum würde aber gerne viel mehr Quizzen, als es meine Mitspieler normalerweise tun, und versuche alles, damit sich dies auch ändert. Ein weiterer Versuchstest lanciere ich diesmal mit Smart 10 – sowas wie eine Mitnehm-Quizbox aus dem Hause Piatnik. Und was soll ich sagen: Es könnte ein Hit werden!

In diesem Kunststoff-Kasten befinden sich 100 doppelseitige Quizkarten. Eine Karte besteht aus einer offenen Frage / Aussage und 10 mögliche Antworten die durch zehn Knöpfe abgedeckt werden. Einer nach dem anderen (man kann es natürlich auch in Teams spielen) versucht jeder eine der 10 Antworten korrekt zu beantworten und fühlt sich bestätigt oder gefrustet, sobald er den Knopf entfernt. Als kleiner Push-your-Luck-Mechanismus kommt die Regel hinzu, dass man jederzeit passen kann und sich die Punkte (= Anzahl bisher gesammelte Knöpfe) gutschreiben kann um nicht zu riskieren, dass man mit einer falschen Antwort alle Punkte dieser Runde verliert.

Die grosse Stärke von Smart 10 sind die Fragen. Diese sind sehr breit gefächert und auch bei den Antwortmöglichkeiten wird viel Varianz geboten. Einmal soll man Klassisch die Antwort wissen, ein andermal Antworten in eine Reihenfolge raten und oft gibt es auch „simple“ Wahr/Falsch aussagen, die man beantworten soll. Und das ist nur eine Auswahl davon! Sowohl die Kategorien wie auch die aktuellen, guten Fragen machen aus dem kleinen orangen Ding ein kleiner Suchtkasten, dem sich nur wenige entziehen können. Denn ich glaube, es liegt daran, dass sich bei 10 Antworten immer eine findet, die man korrekt beantworten kann. So bleibt der Frust tief – auch bei Smarty Pants. Denn jeder weiss, wie blöd man sich früher bei Trivial Pursuit vorkam, wenn man bei fünf Fragen hintereinander keine Ahnung hatte. Alles in allem eine sehr positive Überraschung!

Mehr zum Spiel hört ihr dann im Monatsrückblick August der Spiuchuchi

Coyote Ugly

Im Monatsrückblick Juli der Spiuchuchi habe ich bereits über das schöne Zweierspiel Spirits of the Wild berichtet, und auch diese Woche kam es auf den Tisch, da der Reiz des Spiels mich nachwievor nicht loslässt und es immer wieder als kurzer Absacker taugt. In diesem knackigen Set Collection-Spiel sammelt man Kraftsteine indem man seine Aktionskarten einsetzt (beide haben das selbe Deck) und legt diese auf das persönliche Tableau in verschiedene Bereich, wo sie jeweils anders Punkten.

Die Kunst darin besteht, die Aktionen so clever zu timen, dass der Gegner oft vor einer leeren Schale sitzt und gezwungen wird, eine ungewollte Aktion zu verprasseln. Oder ihm die Steine überlassen, die er sowieso nicht brauchen kann. Als kleiner Ärgerfaktor kommt der Kojote ins Spiel, den man sich gegenseitig aufs Tableau jagen kann, um so einen gewissen Bereich zu sperren.

Wie bereits im Podcast erwähnt (und sonst hört doch mal rein ;-)) ist Spirits of the Wild ein schönes, kleines Spiel für jedermann.

Einmal Ouzo, bitteschön!

Santorini von Spinmaster sieht aus wie ein unschuldiges Kinderspiel, hat es aber faustdick hinter den Ohren! Ziel ist es, eine seiner zwei Figuren auf die Turmplattform zu bringen, bevor der Gegenspieler als Blockade eine blaue Kuppel draustellt. Die Regeln (einmal angrenzend bewegen und dann einmal angrenzend bauen) sind so einfach, dass man zuerst das Gefühl hat, das Spiel veräppelt einen. Sowas kann nicht funktionieren oder Spass machen! Beim Spielen merkt man allerdings, wie umkämpft und fies das ganze hin und her ringen mit dem Gegenspieler sein kann. Und mit wie wenig taktische Spiele entstehen kann.

Es erinnert etwas an abstrakte Spiele wie Schach, nur dass der Zugang über das tolle Material und die entstehende Stadt auf dem kleinen Spielbrett optisch deutlich freundlicher daher kommt.

Aber eben.. solche Spiele muss man mögen oder lässt es lieber sein, und meine Gegenspielerin war eine der zweiteren Sorte. Ziemlich schnell konnte ich die zwei Partien gewinnen und klar.. viel Lust auf eine Wiederholung war da nicht mehr.

Santorini ist also ein Spiel für Schachliebhaber, das man „immer wieder“ hervorholen kann, nur dass der Spielaufbau (Schachtel auf, sämtliche Plastikteile sortieren, Spielbrett montieren, los) manchmal länger dauert als das Spiel selbst. Aber ja.. normalerweise bleibt es ja dann auch nicht bei einer Partie. Ein weiterer Makel ist, dass es im Vergleich zu meinen anderen Zweierspielen in der überdimensionalen Schachtel im meinem Regal als Platzhirsch fungiert. Wäre sicherlich alles mit weniger grossem Material sprich Papp-Plättchen gegangen aber eben: manchmal ist mehr dann doch nicht so schlecht.

Vom Wald, da komm ich her.

Nach Spirits of the Wild war es mir irgendwie nach noch mehr Geisterstunde und ich holte mal wieder das im 2018 neu aufgelegte Spirits of the Forest hervor. Nicht nur der Name ist hier ähnlich: Bei beiden Spielen ist die Hauptmechanik Set Collection und das Thema ist bei beiden etwa gleich weit hergeholt wie nur möglich. Spielerisch kann ich auch nicht genau sagen, wo der Reiz liegt, denn es verläuft eher unspektakulär. Es gibt Plättchen diverser Farbe (Waldgeister… na klar) die es in unterschiedlicher Anzahl gibt. Über die Ränder des aufgestellten Rechtecks an Plättchen (symbolisiert einen Wald… natürlich) kann man sich die Plättchen jeweils holen und bei sich anlegen. Mit runden Markern (Edelsteine… hat es doch in jedem Schweizer Wald… logo) kann man sich Plättchen reservieren, damit es der Gegenspieler schwerer hat, diese zu bekommen.

Schlussendlich geht es darum, von den meisten Geister die Mehrheit zu besitzen, denn nur dann bekommt man Punkte. Und hat man von einer Sorte (äähm.. Geist) nichts in der Auslage, gibt es sogar Minuspunkte. That’s it.

Ich sage es ja: Viel neues ist es nicht, was Spirits of the Forest spielerisch bietet. Aber beim Spielen entwickeln sich interessante Situationen und man ist ständig im Entscheidungsdilemma. Das mag ich. Ausserdem spürt man die optische Liebe, die dem Projekt zugetan wurde und es macht sich sehr schön auf dem Tisch. Ich habe die Deluxe-Version und sowohl Box wie Material sind der Hammer.

Eine Erweiterung mit einer Art Kampagnen-Modus wurde soeben über Kickstarter finanziert und klar.. ich war auch wieder dabei und hoffe, dass diese Varianz das Spiel dann öfters auf den Tisch bringt. Spirits of the Forest – für alle Waldliebhaber ein Muss 😉

Das war also meine Spielwoche. Und falls du bis hier gelesen hast, erstmal mein Dank und Respekt ;-). Es wird nicht jede Woche so viel passieren, aber sobald man an einem Abend mehrere Spiele auf den Tisch bringt, gibt es halt auch etwas zu erzählen danach.

Bis bald,

euer blauer Spieler

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