Woche 34 / 2020

Willkommen zu meinem zweiten Wochenrückblick. Und schön liest du immer noch mit. Diese Woche gestaltete sich spielerisch etwas ruhiger, also wirst du diesmal vom scrollen nicht so müde ;-).

The Shawshank Redemption

Am Dienstag zog ich erstmals in den Knast ein. Aber ich wollte sofort wieder ausbrechen. Zumindest war dies mein (Spiel)ziel. In Dig (your way) Out soll man dies genau so tun und um es zuvor zu nehmen: die Thematik ist auch klar die Stärke und Visitenkarte des Spiels. Ein von „The Mico“ perfekt designtes Spiel, das ganz klar von der Gruppe lebt, das es spielt. Es geht darum, überall Gegenstände (Karten) einzusammeln um sich damit in Gangs einzuschleimen, Waffen zu schmieden falls es mal brenzlig wird und mein Zellennachbar mir was abnehmen möchte sowie aus Scheren, Pfannen und Schnüren Werkzeug herzustellen. Diese sind meine Hilfsmittel, um aus diesem Drecksloch rauszukommen. Au Revoir!

Knapp wurde es bis zuletzt. Mir hätte ein Zug zur Freiheit gereicht aber mein linker Spielnachbar war schneller und ich hatte nicht bedacht, dass sie eine Spitzhacke auf der Hand hält (ja, etwas Memory gehört auch dazu..) und sie damit das letzte Quäntchen Erde zur Freiheit wegkratzen konnte. Dabei hatte ich zwei Züge davor eine Meuterei angezettelt, die sämtliche Handkarten neu verteilte. Selber schuld. Fehler werden im Knast halt nicht verziehen.

Noch weiss ich nicht, was ich von Dig (your way) Out halten soll – es will definitiv etwas mehr als es spielerisch bieten kann. Bin allerdings auch sicher, dass es sich in einer grösseren und wilderen Gruppe zur richtigen Gaudi entwickeln kann. Daher wird es sicherlich noch paar Chancen erhalten und ich hoffe, dass ich dann auch mal das Licht der Freiheit erblicken kann. Denn „Sie können mir zwar meine Würde nehmen, aber nie meine Freiheit!“.

Wir beendeten den Abend mit einer weiteren, diesmal ungeplanten Partie On the Underground London / Berlin, die ebenfalls sehr knapp ausging und meine guten Eindrücke aus den Erstpartien bestätigten. Ein tolles Spiel!

Am Freitag besuchte ich nach langer Pause mal wieder die Spielnacht in unserem geliebten Berner Spieleladen „Drachenäscht“ und ich konnte eine weitere Partie dieses Spiels spielen – diesmal in der Vollbesetzung zu fünft. Und ja.. fünf ist dann doch eine Spielerzahl, in der ich „On the Underground“ dann doch nicht mehr spielen möchte. Jeder kontrolliert hier lediglich 2 Linien und einerseits ist die Downtime, bis man wieder dran ist, entsprechend höher (bei neuen Spielern natürlich umso mehr), andererseits sind die Möglichkeiten der Einwirkung dadurch deutlich kleiner. Das Spiel fühlt sich deutlich unkontrollierter an und dementsprechend musste ich mich nach einem guten Start schlussendlich mit dem letzten Platz begnügen. Hatte aber auch wirklich das Gefühl, in meinen Zügen nicht mehr viel Gescheites machen zu können. Ist weiterhin ein tolles Spiel, aber ich denke drei ist die ideale Spieleranzahl.

Übrigens: Wer meine erste schriftliche Review überhaupt zu diesem Spiel lesen möchte, klickt hier.

Papa, ich geh mal einkaufen

Danach konnte ich in derselben Fünferrunde endlich Q.E. auf den Tisch bringen – ein Auktionsspiel, das ich mir vor kurzem zugelegt habe und bisher noch nicht gespielt hatte. Die Erwartungen / Vorstellungen, dass es sich dabei um ein absolutes Chaos-Spiel handeln könnte, bestätigten sich, und ich meine dies durchwegs positiv! In Q.E. bietet man als Grossmacht auf Unternehmen, die man dann in Besitz nimmt. Das lustige dabei ist, dass der Gelddeckel nach oben hin offen ist, d.h. ich kann auch 4 Trillionen bieten und mir das Ding holen, muss aber aufpassen, dass ich am Ende des Spiels nicht derjenige bin, der in der Summe insgesamt am meisten geboten und somit die Staatskasse in die Grube gefahren habe, denn dann bin ich raus aus der Schlusswertung. Zudem sind für alle (ausser dem Auktionator, der jede Runde wechselt), die Gebote geheim, was dann doch immer wieder in Erstaunen ausartet, dass eine/r dann doch mehr als du selber geboten hat. Was Anfang eher gemächlich mit „normalen“ Beträgen startete, artete gegen Ende hin total aus, denn irgendwann wollte man sich diese Unternehmen um jeden Preis holen und da mussten Summen geboten werden, die nun ja, nicht jeder im Portmonnaie hat… Langsam seht ihr wohin der Hase läuft: Chaos pur am Tisch, lustige Momente und einiges Gelächter. Ersteindruck: Q.E. dauert ielleicht etwas zu lang und kann sich auch etwas repetitiv anfühlen, aber der Spannungsbogen ist für ein Auktionsspiel recht gut und stellt die volle Spannung ans Ende der Partie, wenn man weiss, ob man sich überhaupt Gewinnchancen ausrechnen kann oder nicht. Ich freue mich auf weitere Partien – die richtige Gruppe vorausgesetzt.

Träume nicht dein Leben – lebe deine Träume

Danach konnte ich eine Neuheit ausprobieren, die uns der liebe C. vom Drachenäscht vorschlug. Dreamscape, ein Kickstarter, das nun auch von Huch in deutscher Sprache im Handel erschienen ist. Eins der Spiele, die mich persönlich bereits über die Optik triggern. Spielerisch war es dann aber doch ziemlich ernüchternd. Das Thema „Träume“ ist zumindest – auch wenn es spielerisch null Relevanz hat – mal was anderes und wie gesagt: ich finde es – anders als mein Spiuchuchi-Buddy – wirklich traumhaft (nie besser gesagt) schön. Ein pastellischer Overkill, das an ein Kinderbuch erinnert, aber in schön. Sowas trifft man selten bei Brettspielen an. Doch wer soll so ein Spiel kaufen, wenn man es im Spieleladen erblickt? Die Mama für ihre Kinder oder die Oma für die Enkel als Beispiel: Die packen es zuhause aus, bewundern das ebenfalls wunderschöne Material, und fangen an zu spielen. Und dann kommts: Oma sitzt da, fragend, weil die Regeln so kompliziert sind (und das Regelbuch ziemlich lang). Die Kinder, nun ja, verstehen ja Regeln schneller als man denkt, aber vieles ist zu komplex und frustrierend, und es muss mit Hausregeln angepasst werden. Die komplexe Variante kommt wohl so nie zum Zug. Und der Mutter gefällts, weil es so schön aussieht, ist aber die einzige am Tisch, die so empfindet und wird es demnach nicht mehr auf den Tisch bringen können. Subjektive Meinung / Vorstellung, ich weiss, aber genau dies ist das Gefühl, das mir Dreamscape vermittelt. Wer ist die Zielgruppe? Und auch wenn ich irgendwo entfernt den Reiz erkennen kann – auf so eine fürs Hirn anstrengende Denkaufgabe habe ich persönlich keine Lust mehr, sorry.

Ich rette mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt.

Am Sonntag dann die zweite Runde Pandemic Legacy – Season 2. Viel muss ich in einem Brettspielblog wohl nicht mehr darüber erzählen… Sicherlich eins der beeindruckendsten Spielentwicklungsarbeiten und eine grandiose Legacy-Erfahrung. Nachdem uns der März im ersten Anlauf misslingt, tut uns das Mittagessen gut und wir schaffen die nächsten zwei Partien ziemlich locker. Das scheint deutlich einfacher zu sein als im echten Leben – leider. Weiter geht es dann in einem Monat mit dem April.

Das war er also, mein zweiter Wochenrückblick. Zusammenfassung: Überraschungen gab es wenige, eine Neuheit kam auf den Tisch und von einem Spiel weiss ich nun, dass ich das Geld dafür lieber in ein anderes investieren kann. Ich bin sicher dass da bald was kommt 😉 Ideen nehme ich natürlich entgegen – gerne auch über die Kommentarfunktion.

Habt eine schöne Woche, keep on gaming,

euer blauer Spieler

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