First steps

Dieser Blog ist ziemlich neu und existiert erst seit ein paar Monaten. Es ist also noch wie ein Neugeborenes, das langsam am Wachsen ist und hoffentlich bald richtig zu Laufen beginnt. Diesem Baby muss man aber zwischendurch mal den Weg weisen und auch mal sagen, dass etwas nicht geht oder funktioniert.

Und so komme ich zum Thema „Wochenrückblick“: Bereits nach dieser kurzen (Lebens)Zeit muss ich feststellen, dass diese Berichte auf sehr wenig Anklang stossen auch auch recht wenig gelesen werden. Deutlich besser kommen da z.B. die Reviews davon, die wohl über die Suchmaschinen dieser Welt auch mal neue Gäste anlocken. Welcome everybody!

Da ich selber merken musste, dass mir mittlerweile diese obligatorisch auferlegte Tagebuchschreiberei etwas stresst und auch immer wieder notgedrungen hingepfuscht wurde, werde ich ab sofort diese nicht mehr regelmässig publizieren. Denn dadurch waren diese leider in letzter Zeit auch nicht mehr so spannend und mir wurde sogar fehlende „Prägnanz“ vorgeworfen – wohl zu recht, obwohl ich zugegeben das Wort im Duden erst mal nachschauen musste.

ABER: Es wird immer wieder Reviews geben und auch sonst werde ich in unregelmässigen Abständen über mein allerliebstes Hobby berichten – sei es in Form von Monatslisten, Themenvertiefungen oder irgendeine andere Furzidee, die mir mal wieder spontan in den Sinn kommt.

Der blaue Spieler ist also noch nicht tot – er lernt erst mal laufen.

Bis bald und danke fürs mitlesen,

das Baby

Spiuchuchi – Monatsrückblick September 2020 ist „on air“

Zum bereits neunten mal sind Adrian und ich in der Spielküche zusammengesessen und sprechen über das schönste Hobby der Welt im lustigsten Sprachdialekt des Universums. Und nehmen das ganze noch auf, damit ihr mithören könnt.

In dieser Folge geht es um folgende Spiele:

  • Caylus 1303 (Huch)
  • Punktesalat (Pegasus)
  • Räuber der Nordsee (Schwerkraft)
  • Clans of Caledonia (Karma Games)
  • Fort (Leder Games)
  • Gloomhaven (Feuerland)

Bei unserem Vertiefungsthema philosophieren wir über Kickstarter und darüber, ob das eher Fluch, Segen oder beides auf einmal ist.

Hört doch mal rein! Link und alle weiteren Infos findet ihr auf der Spiuchuchi-Seite dieses Blogs.

Viu Spass!

Woche 39/2020

Nach dem intensiven Spielwochenende der vorherigen Woche musste auch ich mal eine kleine Pause einlegen und die dauerte dann genau bis am Dienstag ;-).

In meiner fixen Spielrunde kam mal wieder eine Partie Räuber der Nordsee auf den Tisch. Wie eine Woche zuvor bei Village hiess das Motto „all in“ – also das Spiel mit allen verfügbaren Erweiterungen auf den Tisch packen. Bei den Räuber waren es die Erweiterungen Halle der Helden und Felder des Ruhms. Während erstere nebst neuen Möglichkeiten auch fast Must have-Spielertableaus beinhaltet, so bieten die Felder des Ruhms lediglich eine weitere Möglichkeit, in blutigen Kämpfen gegen Jarls seine Vikinger-Truppe zu verstärken und zu Ruhm zu gelangen. Ich finde die zweite Erweiterung unnötig, denn ich verstehe immer noch nicht, was mir diese Jarls gross bringen, denn ein Kampf schwächt immer meine Truppe, auch wenn ich dann optional den Jarl in mein Team holen kann und ich Ruhm erhalte. Ich habe dann aber trotzdem eine ziemlich lädierte Mannschaft die ich nur über Walküren „abtöten“ kann. Und ich habe hier keine Chance, dem ganzen zu umgehen, da die Jarl-Kämpfe zwingend geschehen, wenn beim Plündern ein entsprechender Marker gezogen wird. Bei dieser Erweiterung fühle ich mich gespielt, und daher werde ich sie wohl nicht so schnell wieder integrieren.

Hey hey Wickie, Wickie Wickie hey

Es war aber ansonsten eine spannende Partie, da jeder eine andere Strategie fuhr und man bis zuletzt nicht abschätzen konnte, wer am Ende gewinnt. Ich hatte Anfangs ziemlich Schwierigkeiten, mich mit den vielen Möglichkeiten, die mir das Spiel in dieser Komplettfassung bot, zurecht zu kommen. Das schnelle, flinke Wesen des Grundspiels leidet schon etwas darunter, auch wenn mehr Möglichkeiten natürlich auch mehr Wege zum Sieg bringen, was nicht schlecht ist. Ich beschränkte mich primär auf die Aufträge und Darbringungen und plünderte nur in „billigen“ Gegenden, während eine andere Spielerin stark auf das Erklimmen der Leisten setzte. Schlussendlich ging es knapp für mich aus und war überrascht, dass das Spiel dann doch ein gutes Balancing bietet und die Leisten dann doch nicht so stark sind wie sie scheinen. Räuber der Nordsee ist ein sehr empfehlenswerter Worker Placement. Wer auch noch was mit Vikingerthema sucht, muss das einfach haben.

Schönheit kommt hier definitiv von innen

Später in der Woche wurde ich freundlicherweise vom User roter_meeple zu einer Partie Burgen von Burgund auf Yucata.de eingeladen. Sie hatte meinem Aufruf hier gefolgt und wollte diese Gratis-Spieleplattform mal ausprobieren. Danke für die Anfrage! Es war eine tolle Partie und dieses Spiel macht einfach Spass – ob digital oder analog. Und die Umsetzung auf Yucata funktioniert sehr gut. Freue mich auf weitere Partien.

Nicht hinschauen – SPOILER! Ach.. zu spät.

Und dann kam das Wochenende. Es stand wieder Weltrettung auf dem Programm und wir spielten bei unserer Pandemic Legacy: Season 2-Kampagne weiter. Nach einer ersten Missglückten April-Partie gelang uns diese beim zweiten Anlauf knapp. Die Story treibt voran und vieles verändert sich – die zweite Staffel ist deutlich spannender als die erste und dreht die bekannte Pandemie-Mechanik um – mehr kann ich ohne Spoilern nicht sagen. Ach ja eins noch: Muss man mal gespielt haben!

Am Sonntag war dann Familientag. Hier war eine weise Vorauswahl wichtig denn anders als bei mir wird im Hause meines Bruders nicht so viel gespielt – resp. viel wenn ich da bin aber ansonsten wenig. Ich dachte mir, mit Ninja Academy kannst du nichts falsch machen und wir spielten eine Runde dieses extrem amüsanten Mini-Spiels, das fragwürdigerweise bis jetzt nur auf Englisch erschienen ist.

Zwöi Ninjas im Ring gäh enang ufe gring

Ninja Academy könnte man auch gut Super Mario Party-Das Brettspiel nennen. Oder für alle Nicht-Gamer: Schlag den Raab mit Ninjas. In diversen Mini Spielen, die von Bluffing bis Geschicklichtkeit gehen, treten die Ninja-Schüler gegeneinander an. Mal ist es eine Art Mini-Dosenschiessen, ein andermal muss man die innere Ruhe finden und mit den total süssen Figürchen rumhantieren und manchmal muss man einfach schnell und richtig zählen können. So einfach, aber so effektiv. Manchmal braucht das Spielerherz nicht viel mehr, um glücklich zu sein. Zudem sind alle stets involviert, denn auch die Ninjas, die grad nicht dran sind, können auf den Favoriten wetten und verfolgen so gespannt jeden Wettkampf und feiern ihn an. Schade wurde hier bei den Mini-Spielchen nicht auf Vielfalt gesetzt. Es sind nicht so viele Karte in der Box und so dass sich die Spiele bereits in der zweiten Partie wiederholen, was zwar den Überraschungseffekt, aber nicht den Spassfaktor minimiert. Ninja Academy könnte tatsächlich zu einem echten Hit bei mir werden – kann mir keine Gruppe vorstellen, die nach anfänglicher Skepsis hier nicht irgendwann in Euphorie kippt. Sehr sehr geil.

Tick tack, tick tack

Danach ein weiteres Mini-Spiel aus dem Hause Iello. Die machen einfach gute Spiele mit hochwertigem Design und Material. Time Bomb Evolution ist eine fast identische Kopie von Tempel des Schreckens. Kein Wunder: Ist ja auch vom selben Autor und der hat mit seinem Spiel die Kuh ganz schön ausgemolken und es gibt zig Varianten davon. Ich habe das Tempelspiel ebenfalls in meiner Collection, habe mir aber Time Bomb Evolution trotzdem geholt. Wieso? Erstens weil ich das total attraktive Steampunk-Design dieser Variante deutlich mehr mag als das karge Tempeldesign. Zweitens kann hier tatsächlich von einer (kleinen) Evolution des Originalspiels gesprochen werden, denn einerseits gibt es nicht nur Feuer- und Schatzkammern, sondern verschiedenfarbige Bomben die einerseits alle eine Spezialfähigkeit aufweisen und auch nicht sofort in die Luft gehen sondern erst wenn die vierte derselben Farbe aufgedeckt wird. Das macht das Spiel etwas interessanter und taktischer, ohne den Charakter dieses grossartigen Verräter-Spiels gross zu verändern. Für mich bleibt die Tempelvariante nur in meiner Collection, da diese bis zu zehn Spieler spielbar ist, während Bombenentschärfen nur bis 6 geht. Ansonsten für mich das bessere und deutlich attraktivere Spielerlebnis.

So – das wars also. Nächste Woche probiere ich mal wieder paar neuere Sachen aus. Freue mich, euch dann nächsten Montag darüber erzählen zu können.

Machts gut und bleibt schön verspielt,

euer blauer Spieler

Woche 38 / 2020

In dieser Woche ging das Spielen später los, dafür aber dann richtig! In Erwartung des grossen Highlights am Wochenende gab es am Donnerstag erst mal ein Einspielen mit dem zweiten Kapitel von My City. Die Kirche zog in die Stadt ein und viel mehr kann ich ohne zu Spoilern nicht erzählen. Auf jeden Fall macht das zweite mal Durchspielen der Kampagne in etwa genau gleich viel Spass wie das erste Mal – nur überrascht werde ich halt nicht mehr.

Danach eine Partie Aqualin, das zwar nicht nicht aus meiner Collection stammt, aber trotzdem bei Veröffentlichung vor ein paar Monaten meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Es ist ein abstraktes Lege- und Schiebespiel für 2 Unterwasser-Fans, das zwar sicherlich interessante Entscheidungen erfordert, aber leider etwas blass bleibt. Das hat man alles schon mehrfach gesehen und kann mich nicht wirklich vom Hocker hauen, ist aber sicherlich nett von Zwischendurch. Ich gewann die Partie ohne einen klaren Plan zu haben – dies sagt eigentlich auch schon alles.

Keine Garantie auf unverbaubarem Blick

Sehr gut fand ich allerdings eine weitere Neuheit; diesmal aus meinem eigenen Fundus: Little Town. Es handelt sich hier um einen Workerplacement-Legespiel in kleinem Format. Man startet auf einer leeren Wiese und sammelt das ein, was es zu Beginn hat – Holz, Fische aus dem Teich und Steine. Ziemlich schnell kommen die Landherren auf die Idee, Gebäude zu bauen, welche die Ressourcenproduktion optimieren, Ruhm (Punkte) und auch Geld einbringen. Diese Gebäude können dann von anderen Spielern genutzt werden, aber natürlich gegen ein Entgelt. So baut sich also nach und nach eine kleine Stadt auf und nach 4 Runden gewinnt der gewiefteste Landbewohner.

Little Town funktioniert einfach wunderbar einfach und schnell. Es kommt in einer kleinen Schachtel daher bietet aber sowas wie ein Grosspielgefühl. Es ist zugänglich, einfach zu spielen aber nicht immer einfach zu beherrschen und ist ziemlich konfrontativ. Schliesslich ist der Platz auf dem doch kleinen Acker knapp und die besten Felder sind schnell besetzt – da muss man sich stets neu einstellen um doch noch zum Ziel zu kommen. Kurz und knapp: Little Town kommt definitiv noch öfters auf den Tisch.

16 Spiele in 2,5 Tagen – wer hält mit?

Danach kam das langerwartete Spielwochenende an der schönsten Location, in der zumindest ich bis heute gespielt habe. In einem prächtigen Bootshaus direkt an der Beatenbucht mit Blick auf die „Swiss Pyramid“, dem Thuner Hausberg Niesen, nisteten wir uns ein und genossen das Lebens, den Wein und die Spiele, die wir dabei hatten. Und das waren einige, wie ihr es dem obigen Auszug aus BG Stats entnehmen könnt. Da ich unmöglich über alle Spiele schreiben kann nachfolgend meine persönlichen Highlights und über die anderen Spiele werde ich dann berichten, wenn sie wieder auf den Tisch kommen.

Das Bier war noch nicht kalt, also tranken wir Radler

Kurz nach der Anreise brachte ich erstmals Cairn auf den Tisch – die neue deutsche Lokalisierung des Schweizer Spielverlages Board Game Box, das schon mal einen sehr guten ersten Eindruck hinterlassen hat. Dieses stark taktische Spiel, das vor allem an Onitama erinnert, hat es trotz niedlicher Optik faustdick hinter den Ohren. Jede Figurbewegung will gut überlegt sein, denn der Gegner sitzt auf der Lauer und wartet auf einen Fehler. Cairn wird in den nächsten Wochen sicher öfter auf den Tisch kommen, daher möchte ich nach diesem Ersteindruck noch nicht viel mehr dazu sagen. Auch eine Review folgt in den nächsten Wochen auf diesem Blog. Seid gespannt!

Leben und Handeln in den schottischen Highlands

Am Samstag nach dem Frühstück starteten wir mit einer 3-stündigen Partie des echt tollen Clans of Caledonia, das ich nach dem Spiel (und Sieg) in der Euphorie gleich Adrian abkaufte :-). Wer mich kennt weiss, dass ich eine Schwäche für Eurogames habe und dieses hier erfindet zwar das Rad nicht ganz neu, hat aber einige bekannte Mechanismen zu einem guten Allerlei zusammengebraut. Es ist im Kern ein in Schottland angesiedeltes Wirtschaftsspiel, in dem man sich mit seinem Clan ausbreitet, die eigene Rohrstoff-Produktion aufbaut um so Waren zu produzieren und zu exportieren. Ein Euro halt. Das ganze spielt sich aber sehr gut auf dem kompakten Spielfeld, das Sie hier wirklich auch für kleinere Tische optimiert haben.

Es war einen spannende Partie ohne klaren Ausgang, was ich persönlich sehr mag. Ich hätte selber nicht gedacht, dass ich als Sieger ende, hatte aber ziemlich geschickt exportiert und mein Clan erlaubte mir eine einfachere Ausbreitung über Wasserfelder von Anfang an. Zudem hatte ich früh mein Geldeinkommen ziemlich optimiert und Geld ist auch in diesem Spiel der Motor, der alles zum laufen bringt. Clans of Caledonia – ein tolles Spiel!

Adrian (mein Spiuchuchi-Buddy) hatte dann auch noch einige Neuheiten dabei, die wir danach ausprobierten. Zuallererst das aktuell ziemlich gehypte FORT – ein Deckbauspiel mit einem wirklich erfrischendem Thema. Hier geht es darum, sich möglichst in einer coole Schulgang zusammenzuraufen, um das bestmögliche Fort zu bauen. In der Optik unverkennbar vom selben Designer, der auch schon für Root verantwortlich war. Es ist wirklich dadurch ein besonderes Spiel geworden, auch wenn ich mit deckbuilden einfach nicht warm werde und ich deshalb auch keinen grossen Spass hatte. Liegt aber definitiv nicht am Spiel.

Ich lackiere mir meine Nägel gerne stets in der Farbe, die zu den Karten passt 😉

Etwas ratlos hinterliess mich Tournament of Avalon – ein Stichspiel, bei dem es wahrlich um Leben und Tod geht. Ziemlich böse versucht man sich hier die meisten Stiche zuzuschustern, denn diese bringen Schaden und irgendwann hat für einen Spieler das letzte Stündlein geschlagen. Grundsätzlich soll man in dem Spiel auch Allianzen bilden, um Gegenspieler auszuschalten – eine Idee, die für mich in solch einem Spiel deplatziert ist. Zudem waren meine letzten 2 Runden völlig irrelevant – ich wusste, dass ich eh nicht gewinnen werde und konnte damit nur entweder dem einten oder anderen Mitspieler zum Sieg verhelfen. Wo lag hier mein Interesse? Wie gesagt: In der richtigen Gruppe sicher eine Gaudi – bei mir hat es nicht gezündet.

Sehr schön fand ich den Fall von Exit – die unheimliche Villa, den wir Abends dann bei Schummerlicht und mit der passenden App-Musikuntermalung spielten. Wieder einmal eine Ansammlung sehr guter und origineller Rätsel, auch wenn man einiges schon in ähnlicher Form bei der gleichen Reihe gesehen und erlebt hat. Trotzdem bleibt Exit was Rätselqualität und Spielmaterialeinsatz angeht ganz klar auf dem Siegertreppchen, nur thematisch.. war ich in einer Villa? Einem Bootshaus? Einer Gartenlaube? Scheissegal – storymässig kriegen sie nicht wirklich viel auf die Reihe. Da freue ich mich doch bereits auf die nächste Unlock-Box mit etwas schlechteren Rätsel, dafür mehr Stimmung.

Sieht aus wie ein Eurogame, ist aber Krieg

Den Sonntag beendeten wir dann mit meiner zweiten Partie Caylus 1303, die sich etwas anders anfühlte als die erste. Komischerweise fanden einige der Spieler (mich inkludiert) diesmal den Zugang zum Spiel nicht und ich selber machte einige unverzeihliche Planungsfehler. Zusätzlich spielten wir deutlich konfrontativer als in der ersten Partie und ich war oft der Leidtragende 😦 – definitiv ein Spiel, in dem man solche Situationen aushalten muss und in dem sich falsche Planung auch in Frust wandeln kann. Ich mag Caylus 1303 nach wie vor, ist aber sicher kein Spiel, das man zuviel spielen muss.

Nach dieser Partie machten wir uns auf den Heimweg und so endete also eine Woche, die aufgrund dieses schönen Wochenendes unvergesslich bleibt.

Machts gut und bleibt schön spielerisch,

euer blauer Spieler

Woche 37 / 2020

Die Woche mit der Nummer 37 begann gleich mit einer Première. Es kam erstmals Caylus 1303 auf den Tisch, in Vielspielerkreisen älterer Generation wohl „Das neue Caylus“ genannt, denn das Spiel gab es bereits im Jahre 2005. Da ich damals aber eher mit Barbies spielte, kannte ich das Original nicht, freue mich aber, dass der coole Verlag „Space Cowboys“ sich vor allem der Optik angenommen und auch paar Regelfalten gebügelt hat. Illustriert wurde das ganze neu von Andrew Bosley, den ich aktuell ziemlich abfeiere. Schaut euch mal seine Webseite an – könnte ich so zeichnen, würde ich auch eher zum Caran d Ache-Farbstift greifen anstatt Mitarbeiter zu rekrutieren.

Durch die Hohle Gasse wird er kommen.

Caylus 1303 ist ein stark planungsorientes Eurogame mit ziemlich coolen Mechaniken und ist fies. Ziemlich fies wenn man es mit Spielern spielt, die ständig auf der Balustrade sitzen und auf den Moment warten, dir in die Suppe spucken zu können. Natürlich kann man das ganze auch in friedlichem Miteinander durchziehen aber ich glaube, das ist dann nur halb so spassig. Auf jeden Fall plant man erst mittels Einsatz von Workern seine Aktionen und schon hier geht das Ringen um gewisse Aktionen, die sich alle entlang einer Strasse befinden, los. Dazu kommt noch dazu, dass auch eine Ritterfigur auf der gleichen Strasse rumläuft und vorgibt. welche Aktionsfelder anschliessen berücksichtigt werden. Dass die eigene Planung durch die anderen Spieler hier zunichte gemacht wird, muss man hier also verkraften können und besser hat man im Hinterkopf auch stes einen Plan B bereit.

Bei uns hat Caylus 1303 einen sehr guten ersten Eindruck hinterlassen und ich hoffe es in nächster Zeit öfter auf den Tisch zu bringen. Die Erstpartie ging ziemlich klar an mich und ich denke, da liegt noch genug Rachelust in der Luft. Die nächste Partie wird für mich bestimmt halb so lustig.

Pendo, Panda oder Pindo – was ist es wohl?

Am Donnerstag fand ein Meetup bei mir statt, da ich ein paar der neueren Spiele mal wieder spielen wollte. Los ging es mit Decipher – ein Wortratespiel aus der Reihe der „Letter Piece Games“. Bei diesen Spielen werden sämtliche Buchstaben unseres Alphabets aus Plastikteilen in vier Grundformen dargestellt. Und bei Decipher geht es konkret darum, anhand wachsender Information mit guter Deduktion und Logik ein vom Mitspieler definiertes Wort zu erraten.

Mann, bin ich bei diesem Spiel grottenschlecht. Ich errate nicht mal ein Wort wenn man mir sämtliche Bauteile auf einmal hinlegt. Ich kann trotzdem nicht sagen dass mir Decipher gar nicht Spass macht, aber langzeitmotiviert bin ich da nicht. Dazu kommt, dass die total coole Optik des Spiels ein totaler Detektivknüller vermuten lässt, spielerisch sich das ganze aber eher unspektakulär und repetitiv anfühlt. Naja…

Niemand will mit den Amis spielen.

Danach die zweite Partie Q.E. – das wilde Auktionsspiel mit dem unendlich grossen Portmonnaie das wir aufgrund kurzfristiger Teilnehmerabsage nur zu dritt spielen konnten. Es funktionierte aber auch in dieser Spielerzahl ziemlich gut, auch wenn der Chaoslevel bei mehr Spielern mehr Spass macht. Ein total cooles Spiel!

Dann blieben wir mal wieder bei den coolen Fragen von Smart 10 hängen (schon genug darüber geschrieben) und zum Glück ist mittlerweile Fragenachschub herausgekommen, denn ich habe die 200 Karten bald durch. Das Spiel macht echt süchtig!

Für den Eagle Eye ist man hier selber verantwortlich.

Am Sonntag besuchte mich dann mal wieder mein Spiuchuchi-Buddy Adrian und wir spielten ausschliesslich Spiele, die sich auf meinem 50×50 Balkontischchen spielen lassen, denn das Wetter war zu schön, um drinnen zu sitzen. Als erstes Tennis als Schnippspiel: Set & Match ist genau das und macht dies auch ziemlich gut. Das Tennismatch-Feeling – wenn man es überhaupt vergleichen kann – kommt ziemlich gut rüber und die Produktion ist zufriedenstellend. Viel mehr kann ich aktuell dazu nicht sagen. Die grösste Schwierigkeit wird hier sein, genug Mitspieler zu finden, die mit mir Set & Match spielen möchten, aber dies wusste ich bereits vor dem Kauf. Die Hoffnung stirbt halt zuletzt…

… ist ein Motto, das für Adrian bei der anschliessenden 7 Wonders Duel-Partie aber wenig half. Ihm gelang nicht vieles, was er sich vornahm und machte unter anderem den Fehler, seine Weltwunder zu früh zu bauen und hätte die dadurch erhaltenen Sonderboni später in der Partie besser nutzen können. Ich wiederum spielte überlegt und hatte mir eine gute Geld- und Rohstoffengine gebaut – eine ziemlich klare Angelegenheit.

Vor-Corona-Strassenfest

Dass der liebe Adrian aber zu Gameboy-Zeiten sehr viel Tetris gespielt hat, bewies er bei Arraial – ein Puzzlespiel, das genau diesen Arcade-Klassiker brettspielerisch nachstellt. Thematisch geht es dabei um portugiesische Strassenfeste und man versucht, durch geschicktes Legen möglichst viele Besucher anzulocken. Die Polyominos müssen dabei wie bei Tetris von unten nach oben gelegt werden und eine volle Zeile verschwindet hier zwar nicht, lässt aber einen Balken nach oben springen, der ansonsten immer mehr das Platzproblem verstärkt. Er baute wirklich wunderbar und liess mir keine Chance. Arraial ist eins der Spiele in meiner Collection, die sich auf der Schwelle zum Auszug befinden. Ich mag es zwar, aber Platzprobleme und der Einzug eines neuen Puzzlespiels könnten sein Ende bedeuten. Und die Insel del Katzen ist bereits am Horizont ersichtlich… mal schauen.

So – das war also Woche 37 und die 38 wird krass. Ein Wochenende in einem Bootshaus voller Spiele in der Beachtenbuchst steht auf dem Programm – da gibt es dann viel zu erzählen bei meinem nächsten Rückblick. Auch einige Neuheiten.

Und was steht bei euch so auf dem Programm? So oder so – geniesst die Woche!

Macht’s gut,

euer blauer Spieler

Woche 36 / 2020

Eine weitere Spielwoche ist durch und schon bald ist Weihnachten 😜 Es wurde wieder ziemlich viel gespielt jedoch habe ich mich hinsichtlich der Wochenrückblicke entschieden, euch jeweils nicht über alle gespielten Spiele, sondern nur über die Highlights meiner Spielwochen zu erzählen und dafür auch mal ein Spiel näher zu beschreiben. Ich hoffe, das ist auch in eurem Sinne ☺️.

Eine Seefahrt, die ist lustig.

Los ging es wie meistens am Dienstag mit meiner fixen Spielerunde. Zu dritt spielten wir diesmal Village – mein Lieblings-Eurogame. Das Spiel ist in dieser Runde ebenfalls ziemlich beliebt und es war nicht die erste Partie in dieser Konstellation.

Ich mag Village vor allem aufgrund der starken thematischen Einbindung: Anders als bei den meisten Euros mit irgendeiner Stadt im Titel spielt man hier sozusagen das Leben in einem Dorf selbst nach – daher der Name. Jeder Spieler spielt mit einer Familie und entscheidet, welche Karrieren und Schicksale seine Familienmitglieder erleben sollen. Ob Handwerk, Politik, Kirche oder Reise – du hast es in der Hand. Die Aktionen kosten Zeit (was ebenfalls sinngebend ist) und wenn die Zeit vorüber ist, dann muss auch einer sterben. Als eins der ersten Eurogames überhaupt traute man sich, diese für einige Leute unangenehme Thematik spielerisch umzusetzen und auch wenn es für einige etwas morbid klingen mag: Sterben ist hier Teil der Strategie.

Wir spielten diesmal „all in“, also mit den beiden verfügbaren Erweiterungen Village Inn und Village Port – erstere erweitert die Produktionserzeugnisse durch einen weiteren Rohstoff – Bier – und bringt Charakterkarten, die man sich damit erkaufen kann. Dies gibt dem Spiel etwas mehr Optionen und Tiefe – und auch mehr Alkohol, was ja nie schlecht ist. Die Hafenerweiterung wiederum ersetzt das für mich langweilige Reisen des Grundspiels durch eine spannendere Seereise-Option. Beide Erweiterungen sind gute Ergänzungen zum Grundspiel, welche auch gemeinsam gespielt werden können ohne die Partie künstlich zu verlängern.

Die Partie selber war interessant. Die Dorfchronik füllte sich ziemlich rasch mit den Verstorbenen Familienmitgliedern und da dies eine Spielende-Bedingung ist, mussten wir uns alle etwas bremsen, damit wir noch paar Züge für unsere Pläne übrig haben, d.h. also weniger schnell „sterben“. Die Schlusswertung war schwierig abzuschätzen und es hätte jeder gewinnen können. Zwei Charakterkarten aus der Kneipe, die sich S. kurz vor Ende zugelegt hatte, machten dann den Unterschied aus.

Ich liebe einfach jede Partie Village und das Spiel begleitet mich bereits ziemlich lange. Es war sogar damals eins meiner ersten Kennerspiele – vielleicht ist auch dies der Grund, weshalb es immer noch diese Bedeutung für mich hat. Wer es noch nicht kennt, soll ein Blick drauf werfen. Wer aus der Gegend kommt und mal Lust auf eine Partie hat, kann mich gerne kontaktieren.

Ich möchte das Zimmer mit Waldblick

Später in der Woche startete ich mit einer guten Spielfreundin zum zweiten mal die My City-Kampagne. Das Familien-Legacy-Puzzle von Rainer Knizia habe ich bereits einmal mit meiner Partnerin durchgespielt, aber da das Spiel 4 Boards beinhaltet hätte ich es schade gefunden, die Hälfte des in der Kiste befindlichen Materials einfach ungespielt zu lassen. My City ist zwar nach der Kampagne auf der Rückseite der Boards immer wieder spielbar, jedoch ist die gegebene Immerspiel-Variante im Vergleich zur Kampagne ziemlich langweilig. Nur dafür würde ich das Spiel nicht kaufen.

So traue ich mich wieder heran und baue eine neue Stadt – diesmal mit dem Namen „Deerson“ (Passend zum Hirsch, das meine Spielfarbe als Symbol hat) und natürlich werden mir die Überraschungseffekte komplett fehlen und bin gespannt, ob mich das Spiel weitere 24 Partien (= eine Kampagne) fesseln kann. Ich werde berichten…

Der Mond ist aufgegangen

Nach 3 Partien puzzlen dann noch Nova Luna als Absacker. Auch schon länger nicht gespielt. Ein nettes, eingängiges, aber nicht einfach zu knackendes Brainfuxx-Puzzle, das uns Uwe Rosenberg hier präsentiert. Falsches bauen wird ziemlich schnell bestraft, so dass ich zwar stark in die Partie startete, aber gegen Ende hin mir die Optionen ausblieben, den Sack zuzumachen. Leider ist das ganze in der finalen Phase schon ziemlich arg von den ausliegenden Plättchen abhängig. Hat man Glück und liegen die passenden Plättchen in der richtigen Reihenfolge, so hat man leichteres Spiel.

Aber zugegeben: Vielleicht ist dies mal wieder eine faule Ausrede, um meine Niederlage zu rechtfertigen ;-). Schlussendlich ist man ja meistens selber schuld. Ich mag Nova Luna trotzdem ziemlich gerne, auch wenn mir eine Partie pro Abend davon reicht.

Schneller fertig als die echte Sagrada Familia

Das letzte Spiel der Woche war schon länger auf meiner Malwiederspielen-Liste – Sagrada. Das abstrakte Würfel-Legespiel liegt bei mir total Deluxyfied in meinem Regal mit dem tollen Inlay von Broken Token und allen Erweiterungen. Man muss wohl das Spiel ziemlich lieben um sich ein Inlay zuzulegen, das etwa den Preis des Spiels kostet, aber ich kann euch beruhigen: Es handelt sich lediglich um ein geekiges Neben-Phänomen des Brettspielhobbies. Oder eine Besessenheit. Oder ein Virus, das einem befallen kann.

So oder so – Sagrada sieht einfach wunderbar aus. Ich empfehle jedem unbedingt die erste Erweiterung. Dadurch gewinnt das Spiel in angenehmer Art und Weise an Planbarkeit, da man immer einen Würfel aus der persönlichen Würfelablage legen kann und man nicht ständig auf einen passenden Würfelwurf hoffen muss. Und: Eine Partie dauert dadurch auch deutlich kürzer, auch wenn ich in dieser Partie der Downtime-Produzent war – etwas, was mir ziemlich unangenehm ist, da ich ewiglange Grübler am Tisch selber nicht so mag. Es war auch eine Partie, in der mir wenig gelang und wo ich auch ziemlich mies spielte. Sagrada muss dann wohl doch wieder öfter auf den Tisch.

Mein grüner Spielteppich ist wunderschön.

Eine weitere Neuheit in dieser Woche für mich war das Online-Brettspielen auf Yucata.de. Diese optisch doch eher altertümlich anmutende Webseite ist absolut kostenfrei und hat einige bekannte Brettspiele als Online-Variante umgesetzt. Ich spielte eine Runde Jaipur mit dem lieben Sevan des „Brettspielpodcasts, den die Welt nicht braucht„. Auf Yucata spielen die Spieler seine Züge abwechselnd, also einer spielt, der andere wird via Mail informiert und spielt seinen Zug, dann wieder der andere etc. Dies funktioniert zwar wunderbar, war aber für mich als ungeduldiger Mensch eine ziemliche Herausforderung. Zwischen Zug und Zug können locker mal paar Tage vergehen – da muss man sich immer wieder auf die Spielsituation einstellen. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf kommende Partien. Ihr könnt mich gerne zu einer Partie einladen – ich bin dort unter blauerspieler zu finden.

So – ich hoffe, der etwas kürzere Wochenbericht passt euch. Freue mich, diese Woche mit Caylus 1303 eine Neuheit auf den Tisch zu bringen und bin gespannt, wie es sich spielen wird. Die Antwort gibt es natürlich genau hier. Bis nächste Woche!

Macht’s gut und keep on gaming,

euer blauer Spieler

Woche 34 / 2020

Willkommen zu meinem zweiten Wochenrückblick. Und schön liest du immer noch mit. Diese Woche gestaltete sich spielerisch etwas ruhiger, also wirst du diesmal vom scrollen nicht so müde ;-).

The Shawshank Redemption

Am Dienstag zog ich erstmals in den Knast ein. Aber ich wollte sofort wieder ausbrechen. Zumindest war dies mein (Spiel)ziel. In Dig (your way) Out soll man dies genau so tun und um es zuvor zu nehmen: die Thematik ist auch klar die Stärke und Visitenkarte des Spiels. Ein von „The Mico“ perfekt designtes Spiel, das ganz klar von der Gruppe lebt, das es spielt. Es geht darum, überall Gegenstände (Karten) einzusammeln um sich damit in Gangs einzuschleimen, Waffen zu schmieden falls es mal brenzlig wird und mein Zellennachbar mir was abnehmen möchte sowie aus Scheren, Pfannen und Schnüren Werkzeug herzustellen. Diese sind meine Hilfsmittel, um aus diesem Drecksloch rauszukommen. Au Revoir!

Knapp wurde es bis zuletzt. Mir hätte ein Zug zur Freiheit gereicht aber mein linker Spielnachbar war schneller und ich hatte nicht bedacht, dass sie eine Spitzhacke auf der Hand hält (ja, etwas Memory gehört auch dazu..) und sie damit das letzte Quäntchen Erde zur Freiheit wegkratzen konnte. Dabei hatte ich zwei Züge davor eine Meuterei angezettelt, die sämtliche Handkarten neu verteilte. Selber schuld. Fehler werden im Knast halt nicht verziehen.

Noch weiss ich nicht, was ich von Dig (your way) Out halten soll – es will definitiv etwas mehr als es spielerisch bieten kann. Bin allerdings auch sicher, dass es sich in einer grösseren und wilderen Gruppe zur richtigen Gaudi entwickeln kann. Daher wird es sicherlich noch paar Chancen erhalten und ich hoffe, dass ich dann auch mal das Licht der Freiheit erblicken kann. Denn „Sie können mir zwar meine Würde nehmen, aber nie meine Freiheit!“.

Wir beendeten den Abend mit einer weiteren, diesmal ungeplanten Partie On the Underground London / Berlin, die ebenfalls sehr knapp ausging und meine guten Eindrücke aus den Erstpartien bestätigten. Ein tolles Spiel!

Am Freitag besuchte ich nach langer Pause mal wieder die Spielnacht in unserem geliebten Berner Spieleladen „Drachenäscht“ und ich konnte eine weitere Partie dieses Spiels spielen – diesmal in der Vollbesetzung zu fünft. Und ja.. fünf ist dann doch eine Spielerzahl, in der ich „On the Underground“ dann doch nicht mehr spielen möchte. Jeder kontrolliert hier lediglich 2 Linien und einerseits ist die Downtime, bis man wieder dran ist, entsprechend höher (bei neuen Spielern natürlich umso mehr), andererseits sind die Möglichkeiten der Einwirkung dadurch deutlich kleiner. Das Spiel fühlt sich deutlich unkontrollierter an und dementsprechend musste ich mich nach einem guten Start schlussendlich mit dem letzten Platz begnügen. Hatte aber auch wirklich das Gefühl, in meinen Zügen nicht mehr viel Gescheites machen zu können. Ist weiterhin ein tolles Spiel, aber ich denke drei ist die ideale Spieleranzahl.

Übrigens: Wer meine erste schriftliche Review überhaupt zu diesem Spiel lesen möchte, klickt hier.

Papa, ich geh mal einkaufen

Danach konnte ich in derselben Fünferrunde endlich Q.E. auf den Tisch bringen – ein Auktionsspiel, das ich mir vor kurzem zugelegt habe und bisher noch nicht gespielt hatte. Die Erwartungen / Vorstellungen, dass es sich dabei um ein absolutes Chaos-Spiel handeln könnte, bestätigten sich, und ich meine dies durchwegs positiv! In Q.E. bietet man als Grossmacht auf Unternehmen, die man dann in Besitz nimmt. Das lustige dabei ist, dass der Gelddeckel nach oben hin offen ist, d.h. ich kann auch 4 Trillionen bieten und mir das Ding holen, muss aber aufpassen, dass ich am Ende des Spiels nicht derjenige bin, der in der Summe insgesamt am meisten geboten und somit die Staatskasse in die Grube gefahren habe, denn dann bin ich raus aus der Schlusswertung. Zudem sind für alle (ausser dem Auktionator, der jede Runde wechselt), die Gebote geheim, was dann doch immer wieder in Erstaunen ausartet, dass eine/r dann doch mehr als du selber geboten hat. Was Anfang eher gemächlich mit „normalen“ Beträgen startete, artete gegen Ende hin total aus, denn irgendwann wollte man sich diese Unternehmen um jeden Preis holen und da mussten Summen geboten werden, die nun ja, nicht jeder im Portmonnaie hat… Langsam seht ihr wohin der Hase läuft: Chaos pur am Tisch, lustige Momente und einiges Gelächter. Ersteindruck: Q.E. dauert ielleicht etwas zu lang und kann sich auch etwas repetitiv anfühlen, aber der Spannungsbogen ist für ein Auktionsspiel recht gut und stellt die volle Spannung ans Ende der Partie, wenn man weiss, ob man sich überhaupt Gewinnchancen ausrechnen kann oder nicht. Ich freue mich auf weitere Partien – die richtige Gruppe vorausgesetzt.

Träume nicht dein Leben – lebe deine Träume

Danach konnte ich eine Neuheit ausprobieren, die uns der liebe C. vom Drachenäscht vorschlug. Dreamscape, ein Kickstarter, das nun auch von Huch in deutscher Sprache im Handel erschienen ist. Eins der Spiele, die mich persönlich bereits über die Optik triggern. Spielerisch war es dann aber doch ziemlich ernüchternd. Das Thema „Träume“ ist zumindest – auch wenn es spielerisch null Relevanz hat – mal was anderes und wie gesagt: ich finde es – anders als mein Spiuchuchi-Buddy – wirklich traumhaft (nie besser gesagt) schön. Ein pastellischer Overkill, das an ein Kinderbuch erinnert, aber in schön. Sowas trifft man selten bei Brettspielen an. Doch wer soll so ein Spiel kaufen, wenn man es im Spieleladen erblickt? Die Mama für ihre Kinder oder die Oma für die Enkel als Beispiel: Die packen es zuhause aus, bewundern das ebenfalls wunderschöne Material, und fangen an zu spielen. Und dann kommts: Oma sitzt da, fragend, weil die Regeln so kompliziert sind (und das Regelbuch ziemlich lang). Die Kinder, nun ja, verstehen ja Regeln schneller als man denkt, aber vieles ist zu komplex und frustrierend, und es muss mit Hausregeln angepasst werden. Die komplexe Variante kommt wohl so nie zum Zug. Und der Mutter gefällts, weil es so schön aussieht, ist aber die einzige am Tisch, die so empfindet und wird es demnach nicht mehr auf den Tisch bringen können. Subjektive Meinung / Vorstellung, ich weiss, aber genau dies ist das Gefühl, das mir Dreamscape vermittelt. Wer ist die Zielgruppe? Und auch wenn ich irgendwo entfernt den Reiz erkennen kann – auf so eine fürs Hirn anstrengende Denkaufgabe habe ich persönlich keine Lust mehr, sorry.

Ich rette mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt.

Am Sonntag dann die zweite Runde Pandemic Legacy – Season 2. Viel muss ich in einem Brettspielblog wohl nicht mehr darüber erzählen… Sicherlich eins der beeindruckendsten Spielentwicklungsarbeiten und eine grandiose Legacy-Erfahrung. Nachdem uns der März im ersten Anlauf misslingt, tut uns das Mittagessen gut und wir schaffen die nächsten zwei Partien ziemlich locker. Das scheint deutlich einfacher zu sein als im echten Leben – leider. Weiter geht es dann in einem Monat mit dem April.

Das war er also, mein zweiter Wochenrückblick. Zusammenfassung: Überraschungen gab es wenige, eine Neuheit kam auf den Tisch und von einem Spiel weiss ich nun, dass ich das Geld dafür lieber in ein anderes investieren kann. Ich bin sicher dass da bald was kommt 😉 Ideen nehme ich natürlich entgegen – gerne auch über die Kommentarfunktion.

Habt eine schöne Woche, keep on gaming,

euer blauer Spieler

Woche 33 / 2020

Die Woche beginnt an einem Dienstag. Also bei mir anders als beim Rest der Erdlinge. Allerdings nur wenn ich es rein aus spielerischer Sicht betrachte, denn am Dienstag ist meine fixe Spielgruppe bei mir zuhause und dann wird gespielt.

Gleisbauer – Beruf der Zukunft?

In dieser Woche kam ein Neuzuzügler auf den Tisch. Und dabei meine ich keine Person, sondern das Spiel On the Underground London / Berlin, ein Kickstarter-Remake des gleichnamigen Spiels aus dem Jahre 2006. Hier versucht jeder Spieler mit Gleismarkern seine U-Bahn-Linien soweit geschickt auszubauen, so dass diese vom einzigen Passagier, der auf dem grossen Spielbrett rumfährt (der muss sich ziemlich einsam vorkommen), genutzt werden. Denn so gibt es Punkte und zwar sowohl in deinem eigenen Zug als auch dem deiner Mitspieler.

Das ganze fühlt sich also thematisch wie spielerisch etwas wie der grosse Klassiker Zug um Zug an – nur dass man hier weder persönliche Zielkarten erfüllen und auch kein Set Collection betreiben muss. Gute Planung und drei mal um die Ecke denken ist allerdings auch hier empfohlen. Nach einer ersten Partie auf dem klassischen London-Spielbrett und einem ersten Sieg für mich hatten wir gleich Lust, eine weitere Partie auf der Rückseite des Spielbrettes zu absolvieren – etwas, was bei uns eher selten vorkommt (bin auch nicht bekannt dafür, das selbe Spiel mehrmals hintereinander zu spielen…). Die Berlin-Seite fügt dem ganzen 2, 3 neue Twists hinzu, was dem ganzen Spiel tatsächlich einen etwas anderen Charakter verleiht.

Alles in allem ein toller Debüt eines Spiels, das sich so anfühlt, als ob es länger in meiner Collection bleiben könnte. Denn es hat dieses Zeitlos-Gen, was so manch anderen Mechanismen und Spielen fehlt. Nur der Verwaltungsaufwand mit der Passagierbewegung und der Markierung der neuen Zielorte zwischen den Zügen gestaltet sich etwas zeitaufwendig, aber dies ist im Vergleich zum Spielspass ein kleines Laster.

Mehr zum Spiel hört ihr dann im Monatsrückblick August der Spiuchuchi

Orange is the new Black

Quizspiele sind ja bei uns Brettspieler leider etwas aus der Mode geraten und es fehlt dem Genre auch etwas an Innovation. Ich wiederum würde aber gerne viel mehr Quizzen, als es meine Mitspieler normalerweise tun, und versuche alles, damit sich dies auch ändert. Ein weiterer Versuchstest lanciere ich diesmal mit Smart 10 – sowas wie eine Mitnehm-Quizbox aus dem Hause Piatnik. Und was soll ich sagen: Es könnte ein Hit werden!

In diesem Kunststoff-Kasten befinden sich 100 doppelseitige Quizkarten. Eine Karte besteht aus einer offenen Frage / Aussage und 10 mögliche Antworten die durch zehn Knöpfe abgedeckt werden. Einer nach dem anderen (man kann es natürlich auch in Teams spielen) versucht jeder eine der 10 Antworten korrekt zu beantworten und fühlt sich bestätigt oder gefrustet, sobald er den Knopf entfernt. Als kleiner Push-your-Luck-Mechanismus kommt die Regel hinzu, dass man jederzeit passen kann und sich die Punkte (= Anzahl bisher gesammelte Knöpfe) gutschreiben kann um nicht zu riskieren, dass man mit einer falschen Antwort alle Punkte dieser Runde verliert.

Die grosse Stärke von Smart 10 sind die Fragen. Diese sind sehr breit gefächert und auch bei den Antwortmöglichkeiten wird viel Varianz geboten. Einmal soll man Klassisch die Antwort wissen, ein andermal Antworten in eine Reihenfolge raten und oft gibt es auch „simple“ Wahr/Falsch aussagen, die man beantworten soll. Und das ist nur eine Auswahl davon! Sowohl die Kategorien wie auch die aktuellen, guten Fragen machen aus dem kleinen orangen Ding ein kleiner Suchtkasten, dem sich nur wenige entziehen können. Denn ich glaube, es liegt daran, dass sich bei 10 Antworten immer eine findet, die man korrekt beantworten kann. So bleibt der Frust tief – auch bei Smarty Pants. Denn jeder weiss, wie blöd man sich früher bei Trivial Pursuit vorkam, wenn man bei fünf Fragen hintereinander keine Ahnung hatte. Alles in allem eine sehr positive Überraschung!

Mehr zum Spiel hört ihr dann im Monatsrückblick August der Spiuchuchi

Coyote Ugly

Im Monatsrückblick Juli der Spiuchuchi habe ich bereits über das schöne Zweierspiel Spirits of the Wild berichtet, und auch diese Woche kam es auf den Tisch, da der Reiz des Spiels mich nachwievor nicht loslässt und es immer wieder als kurzer Absacker taugt. In diesem knackigen Set Collection-Spiel sammelt man Kraftsteine indem man seine Aktionskarten einsetzt (beide haben das selbe Deck) und legt diese auf das persönliche Tableau in verschiedene Bereich, wo sie jeweils anders Punkten.

Die Kunst darin besteht, die Aktionen so clever zu timen, dass der Gegner oft vor einer leeren Schale sitzt und gezwungen wird, eine ungewollte Aktion zu verprasseln. Oder ihm die Steine überlassen, die er sowieso nicht brauchen kann. Als kleiner Ärgerfaktor kommt der Kojote ins Spiel, den man sich gegenseitig aufs Tableau jagen kann, um so einen gewissen Bereich zu sperren.

Wie bereits im Podcast erwähnt (und sonst hört doch mal rein ;-)) ist Spirits of the Wild ein schönes, kleines Spiel für jedermann.

Einmal Ouzo, bitteschön!

Santorini von Spinmaster sieht aus wie ein unschuldiges Kinderspiel, hat es aber faustdick hinter den Ohren! Ziel ist es, eine seiner zwei Figuren auf die Turmplattform zu bringen, bevor der Gegenspieler als Blockade eine blaue Kuppel draustellt. Die Regeln (einmal angrenzend bewegen und dann einmal angrenzend bauen) sind so einfach, dass man zuerst das Gefühl hat, das Spiel veräppelt einen. Sowas kann nicht funktionieren oder Spass machen! Beim Spielen merkt man allerdings, wie umkämpft und fies das ganze hin und her ringen mit dem Gegenspieler sein kann. Und mit wie wenig taktische Spiele entstehen kann.

Es erinnert etwas an abstrakte Spiele wie Schach, nur dass der Zugang über das tolle Material und die entstehende Stadt auf dem kleinen Spielbrett optisch deutlich freundlicher daher kommt.

Aber eben.. solche Spiele muss man mögen oder lässt es lieber sein, und meine Gegenspielerin war eine der zweiteren Sorte. Ziemlich schnell konnte ich die zwei Partien gewinnen und klar.. viel Lust auf eine Wiederholung war da nicht mehr.

Santorini ist also ein Spiel für Schachliebhaber, das man „immer wieder“ hervorholen kann, nur dass der Spielaufbau (Schachtel auf, sämtliche Plastikteile sortieren, Spielbrett montieren, los) manchmal länger dauert als das Spiel selbst. Aber ja.. normalerweise bleibt es ja dann auch nicht bei einer Partie. Ein weiterer Makel ist, dass es im Vergleich zu meinen anderen Zweierspielen in der überdimensionalen Schachtel im meinem Regal als Platzhirsch fungiert. Wäre sicherlich alles mit weniger grossem Material sprich Papp-Plättchen gegangen aber eben: manchmal ist mehr dann doch nicht so schlecht.

Vom Wald, da komm ich her.

Nach Spirits of the Wild war es mir irgendwie nach noch mehr Geisterstunde und ich holte mal wieder das im 2018 neu aufgelegte Spirits of the Forest hervor. Nicht nur der Name ist hier ähnlich: Bei beiden Spielen ist die Hauptmechanik Set Collection und das Thema ist bei beiden etwa gleich weit hergeholt wie nur möglich. Spielerisch kann ich auch nicht genau sagen, wo der Reiz liegt, denn es verläuft eher unspektakulär. Es gibt Plättchen diverser Farbe (Waldgeister… na klar) die es in unterschiedlicher Anzahl gibt. Über die Ränder des aufgestellten Rechtecks an Plättchen (symbolisiert einen Wald… natürlich) kann man sich die Plättchen jeweils holen und bei sich anlegen. Mit runden Markern (Edelsteine… hat es doch in jedem Schweizer Wald… logo) kann man sich Plättchen reservieren, damit es der Gegenspieler schwerer hat, diese zu bekommen.

Schlussendlich geht es darum, von den meisten Geister die Mehrheit zu besitzen, denn nur dann bekommt man Punkte. Und hat man von einer Sorte (äähm.. Geist) nichts in der Auslage, gibt es sogar Minuspunkte. That’s it.

Ich sage es ja: Viel neues ist es nicht, was Spirits of the Forest spielerisch bietet. Aber beim Spielen entwickeln sich interessante Situationen und man ist ständig im Entscheidungsdilemma. Das mag ich. Ausserdem spürt man die optische Liebe, die dem Projekt zugetan wurde und es macht sich sehr schön auf dem Tisch. Ich habe die Deluxe-Version und sowohl Box wie Material sind der Hammer.

Eine Erweiterung mit einer Art Kampagnen-Modus wurde soeben über Kickstarter finanziert und klar.. ich war auch wieder dabei und hoffe, dass diese Varianz das Spiel dann öfters auf den Tisch bringt. Spirits of the Forest – für alle Waldliebhaber ein Muss 😉

Das war also meine Spielwoche. Und falls du bis hier gelesen hast, erstmal mein Dank und Respekt ;-). Es wird nicht jede Woche so viel passieren, aber sobald man an einem Abend mehrere Spiele auf den Tisch bringt, gibt es halt auch etwas zu erzählen danach.

Bis bald,

euer blauer Spieler